Sebastian Brummer



Faust (J.W. Goethe)


Heinrich Faust ist seines Lebens überdrüssig. Wissen und Gelehrsamkeit machten ihn nicht glücklich. Da kommt Mephisto und bietet eine Wette an: Wenn Faust zu einem Augenblick sagt „Verweile doch, du bist so schön“ hat Mephisto gesiegt. In diesem Sinne bereitet er Faust nun den ultimativen Erlebnisrausch: Reisen, Drogen und Frauen. In der Eventkultur wird alles möglich, selbst die wahre Liebe, nur der Moment darf nicht genossen werden. Dass die Wette der Männer dem jungen Gretchen zum Verhängnis wird, hat Johann Wolfgang Goethe zum bedeutendsten deutschen Schauspiel verdichtet.

 

Der Regisseur Jan Friedrich erarbeitet mit Uwe Topmann als Heinrich Faust, Helene Schmitt als Gretchen und drei Mephisto-Darstellern eine bildreiche Bühnenfassung. Der „Augenmensch“ Goethe hat uns ein Meisterwerk der Sprachbilder hinterlassen, die mit Schauspiel, Masken- und Videokunst im Schnawwl lebendig werden. Eine Live-Kamera in der Hand der Darsteller nimmt die Zuschauer mit in das Bühnenbild von Alexandre Corazzola, und das reale Spiel wird Teil der Projektionen. Die Realitäten, die Darstellungen und die Dimensionen verschieben sich immer wieder neu zum teuflischen Spiel, zur hitzigen Wette der überirdischen Gewalten um eine einzelne Menschenseele.

 (Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Uwe Topmann, Helene Schmitt, Simone Oswald, Cedric Pintarelli, Sebastian Brummer

Regie: Jan Friedrich, Musik: Davidson Jocanello, Ausstattung: Alexandre Corazzola


Du Hitler (Kristo Šagor)


Adolf Hitler war 13 Jahre alt als sein Vater und 18 Jahre alt als seine Mutter starb. Kann eine Pubertät zwischen diesen beiden menschlichen Verlusten etwas von dem erklären, was wir mit der berühmtberüchtigtsten Figur der Zeitgeschichte verbinden? Vier Personen begeben sich auf die Suche nach dem Menschen Adolf Hitler.

Frank Hüggel ist ein frustrierter Lehrer. Mario Gastler ein fernsehglotzender Student, der Künstler sein will. Jessica Stahl ein Mädchen, das auf ihren kleinen Bruder aufpassen soll. Johannes Bender einer, der nachts einsam über Landstraßen fährt. Alle haben sie etwas gemeinsam: sie sind allein, einsam, frustriert, perspektivlos und hegen gewalttätige bis faschistoide Fantasien. Wie reagieren Menschen, die zwischen widersprüchlichen Empfindungen und unvereinbaren Zielen hin- und hergerissen sind? Wie gehen sie mit Ambivalenzen um, wie wird auf empfundene Ohnmacht reagiert? Woher kommt der Wunsch nach Macht und sie auszuüben?

Im Streitgespräch zwischen vier Spielern prallt das Faktische und das Unfassbare, das Banale und das Monströse mit Humor aufeinander. Der rasante Theatertext hat alltäglichen Faschismus immer klar im Visier ohne seine Figuren zu verurteilen.

Autor und Regisseur Kristo Šagor, geb. 1976, übernimmt selbst die deutsche Erstaufführung seines Stückes Du Hitler in Mannheim. Geschrieben hat er es 2011 als Auftragsarbeit für das Landestheater Linz, der Stadt von Adolf Hitlers Jugend. 2007 war der Schnawwl mit Kristo Šagors Inszenierung FSK 16 zum Theatertreffen Augenblick Mal nach Berlin eingeladen, 2008 erhielt er den FAUST für die beste Regie für junges Publikum. Am Schnawwl inszenierte er zuletzt Nichts. Was im Leben wichtig ist.

(Text: Nationaltheater Mannheim)

Mit: David Benito Garcia, Helene Schmitt, Uwe Topmann, Sebastian Brummer, Regie: Kristo Šagor, Musik: Sebastian Katzer, Bühne: Iris Kraft, Kostüme: Eva Roos


Mozart in Moskau (Ad De Bont)


Wolfgang Amadeus Mozart fragt sich, warum er der ist, der er ist – ein berühmter Komponist. Wäre es nicht spannender, ein wilder Kosake zu sein? Während er in Begegnungen mit seinen schon verstorbenen Geschwistern dazu ermutigt wird, seine Träume zu verfolgen, lassen ihn seine vielen Aufgaben, sein Diener, der nur andere Mädchen im Kopf hat, und seine Unentschiedenheit zwischen der feurigen Aloisia und der beständigen Constanze verzweifeln. Doch als die Großherzogin Poegatsjow kommt, um ihn an den Hof der Zarin von Russland zu holen, sieht er seine Chance gekommen: Endlich kann er seine Träume wahr werden lassen, sich für eine Freundin entscheiden und die ersehnte Stelle als Hofkomponist bekommen. Dafür schreibt er schnell ein neues Stück: Eine wilde Kosakenoper! Mozart in Moskau ist ein musikalisches Roadmovie für Sängerinnen, Sänger, einen Schauspieler, eine Puppenspielerin und ein Instrumentalensemble. Bekannte Arien aus Mozarts Opern verweben sich in neuen Arrangements mit dem Text des Autors Ad de Bont, der erstmals für die Junge Oper Mannheim schreibt. Für den Höhepunkt hat Kurt Schwertsik, bekannt für seine humorvollen Kompositionen, eine neue Minioper komponiert.

(Text: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Astrid Kessler/Constanze Kirsch, Ludovica Bello, Andreas Beinhauer/Nikola Diskic, Christian Sturm, Birte Hebold, Regie: Daniel Pfluger, Musikalische Leitung: Lorenzo Di Toro, Bühne: Tessa Veronika Janus, Kostüme: Janine Werthmann