Ein Kinderstück für Lüneburg / Uraufführung
Roman ist zehn Jahre alt und hat einen Traum. Er möchte singen – nicht nur irgendwie und ab und zu, sondern „richtig“, in einem berühmten Chor. Leider hat Roman wenig Zeit für seine
Träume, denn seine Mutter ist oft krank, dann wird sie antriebslos und überfordert. Sie versucht, so gut es geht, Roman und seine Schwester Nehle durchzubringen. Aber wenn die Schmerzen zu stark
werden, muss Roman ran, dann muss er seine Schwester in den Hort bringen und den Haushalt schmeißen. Je älter Roman wird, desto mehr Verantwortung übernimmt er. Gleichzeitig merkt er, dass
sein Leben anders verläuft als das anderer Kinder. Er übt unermüdlich Singen, um seinem Traum näher zu kommen, aber er ist allein damit. Schließlich fasst er einen Entschluss und macht sich auf
den Weg zum Bahnhof, um zu einem Vorsingen zu fahren.
Draußen bleiben handelt von der sozialen Schere, die immer weiter auseinander klafft, von Kindern, die in schwierigem Umfeld groß werden und die viel weniger Chancen auf
Förderung haben als andere. Michael Müller schreibt sein StückDraußen bleiben für das Theater Lüneburg und wird dabei in verschiedenen Lüneburger Einrichtungen
und Stadtteilen recherchieren.
Mit: Olga Prokot, Beate Weidenhammer, Sebastian Brummer Regie: Sabine Bahnsen, Ausstattung: Erwin Bode
Das Stück und die Inszenierung sind im Rahmen von ‚Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater‘, ein Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik
Deutschland und des Deutschen Literaturfonds e.V., mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes gefördert worden.
Brecht hat seine »Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg« 1939 geschrieben und diese wurde 1941, zwei Monate vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, am Züricher
Schauspielhaus uraufgeführt.
Mutter Courage zieht zwischen 1624 und 1636 als Marketenderin mit ihren drei halbwüchsigen Kindern den Armeen nach, zunächst dem finnischen Heer, dann dem schwedischen, weiter durch Polen,
Bayern, Italien. Sie treibt Handel, schließt sich wechselweise den Protestanten und den Katholiken an und lebt vom Krieg nicht einmal schlecht. Aus Angst vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage
fürchtet die Courage den Frieden, obwohl der Krieg ihr letztlich all ihre Kinder raubt: Ein Werber nimmt ihr ihren Sohn Eilif weg, polnische Katholiken erschießen ihren Sohn Schweizerkas, als
dieser die Regimentskasse an sich genommen hat und sich gerade vor einem Feldgericht verantworten muss, und ihre stumme Tochter Kattrin wird, als sie bei einem Überfall die Waren der Mutter
verteidigen will, misshandelt und später, als sie die Stadt Halle vor dem Angriff kaiserlicher Soldaten bewahrt, gar getötet. Ganz am Ende zieht die Courage alleine weiter, nach zwölf Jahren
eines verpfuschten Lebens im Krieg stimmt sie in den Gesang der Soldaten ein – da weiß sie noch nicht, dass während einer kurzen »Friedensphase« Eilif aufgrund seiner Kriegsverbrechen
hingerichtet worden ist und sie ihn nie wieder sehen wird.
Wie Mutter Courage profitieren auch der protestantische Feldprediger, der Koch und die Lagerhure Yvette zunächst vom Krieg. Doch zunehmend geht es ihnen schlechter. Sie alle sind einsame
Menschen, die sich in absonderlichen Zeiten absonderlichem, zerstörerischem, tödlichem Verhalten hingeben und die, so Brecht, erkennen müssen, »dass der Krieg, der eine Fortführung der Geschäfte
mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer.«
(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)
Mit: Almut Henkel/Ragna Pitoll, Dascha Trautwein, Sebastian Brummer, Peter Pearce, Matthias Thömmes, Sascha Tuxhorn, Jaques Malan, Karl Walter Sprungala, Michaela Klamminger / Orchester: Christiane Gavazzoni, Ralf Himmler, Joe Völker / Regie: Andre Bücker / Bühne, Kostüm: Jan Steigert / Dramaturgie: Tilman Neuffer
In dem sagenhaften Land Nangijala ist Krümel endlich von seinen krummen Beinen und seinem ständigen Husten befreit, nur seine Ängstlichkeit steckt ihm noch in den Gliedern. Dort im Kirschtal heißt er für alle Karl und ist als Bruder von Jonathan herzlich willkommen. Schneller als ihm lieb ist, muss er seine frisch gewonnenen Kräfte unter Beweis stellen, denn Nangijala besteht nicht nur aus dem freien Kirschtal. Karl folgt seinem Bruder Jonathan in den Kampf gegen den Tyrannen Tengil, der das benachbarte Heckenrosental mit Angst und Schrecken beherrscht. Im Kampf für Freiheit und Frieden müssen die Brüder Löwenherz schließlich sogar gegen den Urzeit-Drachen Katla antreten. Krümel wächst mit jedem Abenteuer über sich hinaus, bis Karl Löwenherz als »Retter des Heckenrosentals« gefeiert wird.
(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)
Mit: Matthias Thömmes, Peter Pearce, Jule Kracht, Nikolai Jegorow, David Benito Garcia, Klaus Redlin, Sebastian Brummer / Regie: Marcelo Diaz / Bühne: Christian Thurm / Kostüm: Eva Roos / Dramturgie: Anne Richter / Musik u. Klangdesign: Till Rölle
"Astrid Lindgrens starker Roman für Kinder und Jugendliche kam in der Inszenierung von Marcelo Diaz vollends federleicht und humorvoll über die Bühne. [...] Bis auf die beiden Brüder, erfrischend
und liebenswert dargestellt von Sebastian Brummer (Krümel) und Matthias Thömmes (als Jonathan Löwe), haben die übrigen fünf Darsteller jeweils drei Rollen, in die sie ebenso virtuos wie
vergnüglich hineinschlüpfen. Und wer gerade nicht mit Spiel beschäftigt ist steht am Bühnenrand mit einem Mikro in der Hand und bringt weitere Laune als Geräuschemacher in die Aufführung
(ausgefeiltes Klangdesign von Till Rölle). [...] Lustvoller Bühnenzauber domierte die vergnügliche, fantasievolle Inszenierung.
Rhein-Neckar-Zeitung, 4. Dezember 2012
"Astrid Lindgrens "Die Brüder Löwenherz" als spannendes Fantasy-Abenteur im Mannheimer Nationaltheater. [...] Allein aus den traditionellen Mitteln des Theaters entwirft der argentinische
Regisseur eine Welt zwischen Traum und Tollerei, wie man sie eigentlich nur dem Medium Film zutraut. [...] Marcelo Diaz ist ein Bühnenmagier mit ausschweifendem Ideenflug und minimalistisch
ausgefeilter Arbeitsweise. [...] Die unerschöpfliche Komik ist ein Vergnügen, das ernsten Gedanken nicht im Wege steht, diese vielmehr befördert.
Die Rheinpfalz, 4. Dezember 2012
"[...] Die Themen Angst und mangelndes Selbstbewusstsein werden seriös abgeklopft. Marcelo Diaz hat das auf der schlichten wie suggestiven Bühne von Christian Thurm sehr fantasievoll getan. [...]
Sebastian Brummer und Matthias Thömmes sind herrliche Darsteller, denen man ihre Fantastischen Erlebnisse mühelos abnimmt. Ein Clou ist dem Regisseur auch darin gelungen, das Geschehen im Kirsch-
und Heckenrosental mit einer satten Comic-Tonspur zu unterlegen, die Kollegen am Bühnenrand live einspielen. Da wird in originellen Kostümen von Eva Roos idyllisch gezwitschert, furios getrabt,
geflattert, gezischt und bedrohlich gerauscht, dass es eine Freude ist."
Mannheimer Morgen, 3. Dezember 2012