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Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone (Schnawwl)

Christopher kennt alle Primzahlen bis 7507, mag Mathe, Ordnung und die Polizei; Überraschungen verabscheut er und Metaphern versteht er nicht. Als er den Nachbarshund sieben Minuten nach Mitternacht durch eine Forke erstochen auf dem Rasen findet, beschließt er, den Mörder zu finden. Seine Detektivarbeit führt ihn zwangsläufig zu fremden Menschen und ihren Gefühlen. Mit Beidem kann sein 100%iger Logikverstand allerdings schlecht umgehen. Trotzdem gibt er nicht auf. Schließlich klärt er nicht nur das Rätsel des ermordeten Hundes, sondern auch noch familiäre Mysterien auf.

Mark Haddons Jugendbuch Supergute Tage von 2003 berührt weltweit seine jungen und erwachsenen Leser durch Wärme, Witz und Klugheit. Der aufregende Weg des Asperger- Autisten Christopher vom Kind zum Jugendlichen führt über Klippen, die ganz normal sind: getrennte Eltern, Ärger mit dem unflexiblen Schulsystem und Verboten, die umgangen werden müssen. Der renommierte Dramatiker Simon Stephens hat Haddons Buch für das Londoner National Theatre bearbeitet. Über die Uraufführung im August 2012 schrieb The Independent »Ein anrührender Abend über das Erwachsenwerden und zersplitterte Familien«.

(Text: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Maike Wehmeier, Simone Oswald, Uwe Topmann, David Benito Garcia, Cedric Pintarelli, Claudia Lietz, Sebastian Brummer,  Regie: Marcelo Diaz, Musik: Markus Rehany, Bühne: Christian Thurm, Kostüme: Eva Roos

Mutter Courage und ihre Kinder (Nationaltheater Mannheim)

Brecht hat seine »Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg« 1939 geschrieben und diese wurde 1941, zwei Monate vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, am Züricher
Schauspielhaus uraufgeführt.
Mutter Courage zieht zwischen 1624 und 1636 als Marketenderin mit ihren drei halbwüchsigen Kindern den Armeen nach, zunächst dem finnischen Heer, dann dem schwedischen, weiter durch Polen, Bayern, Italien. Sie treibt Handel, schließt sich wechselweise den Protestanten und den Katholiken an und lebt vom Krieg nicht einmal schlecht. Aus Angst vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage fürchtet die Courage den Frieden, obwohl der Krieg ihr letztlich all ihre Kinder raubt: Ein Werber nimmt ihr ihren Sohn Eilif weg, polnische Katholiken erschießen ihren Sohn Schweizerkas, als dieser die Regimentskasse an sich genommen hat und sich gerade vor einem Feldgericht verantworten muss, und ihre stumme Tochter Kattrin wird, als sie bei einem Überfall die Waren der Mutter verteidigen will, misshandelt und später, als sie die Stadt Halle vor dem Angriff kaiserlicher Soldaten bewahrt, gar getötet. Ganz am Ende zieht die Courage alleine weiter, nach zwölf Jahren eines verpfuschten Lebens im Krieg stimmt sie in den Gesang der Soldaten ein – da weiß sie noch nicht, dass während einer kurzen »Friedensphase« Eilif aufgrund seiner Kriegsverbrechen hingerichtet worden ist und sie ihn nie wieder sehen wird.
Wie Mutter Courage profitieren auch der protestantische Feldprediger, der Koch und die Lagerhure Yvette zunächst vom Krieg. Doch zunehmend geht es ihnen schlechter. Sie alle sind einsame Menschen, die sich in absonderlichen Zeiten absonderlichem, zerstörerischem, tödlichem Verhalten hingeben und die, so Brecht, erkennen müssen, »dass der Krieg, der eine Fortführung der Geschäfte mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer.«

(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

 

Mit: Almut Henkel/Ragna Pitoll, Dascha Trautwein, Sebastian Brummer, Peter Pearce, Matthias Thömmes, Sascha Tuxhorn, Jaques Malan, Karl Walter Sprungala, Michaela Klamminger / Orchester: Christiane Gavazzoni, Ralf Himmler, Joe Völker / Regie: Andre Bücker / Bühne, Kostüm: Jan Steigert / Dramaturgie: Tilman Neuffer