Sebastian Brummer - Aktuell


Haus Blaues Wunder (UA / Ingeborg von Zadow)


Herr Pfefferkorn hat sich ein Häuschen am Meer gekauft. Herr Goldbeutel hat sich auch ein Häuschen am Meer gekauft. Voller Freude ziehen beide in dasselbe Haus ein, das zwei Mal verkauft wurde. Die Auseinandersetzung um das eine Haus beginnt hart zu werden, als die Möbel von Herrn Goldbeutel angeliefert werden und das Eichhörnchen von Herrn Pfefferkorn die gezogene Grenze überschreitet. Eine friedliche Lösung des Besitzerstreites scheint unmöglich, bis ein großes Donnerwetter hereinbricht.

Die Autorin Ingeborg von Zadow erzählt in ihrem neuesten Theaterstück wie auf engstem Raum aus Rivalen Freunde werden können. Die beiden Herren mit unterschiedlichen Lebensentwürfen reizen die Grenzen ihrer Konfliktfähigkeit in clownesker Größe aus. In sprachbildreichen, knapp rhythmisierten Dialogen treibt die Autorin die Begegnung von zwei sehr verschiedenen Temperamenten voran.
Ingeborg von Zadow, geboren 1970, studierte in Gießen und New York. Gleich mit ihrem Debüt Ich und Du setzte sie sich als Theaterautorin durch. Ihre Stücke leben von Handlungsreduktion auf Beckettsche Konflikte, einer ganz eigenen Dialogmelodie und ausgefeiltem Sprachrhythmus. Ihre Stücke sind viel gespielt und oft übersetzt worden. Ihr bekanntestes Stück Besuch bei Katt und Fredda brachte Regisseur Marcelo Diaz 1997 in Zürich zur Uraufführung. Mit Haus Blaues Wunder hat Ingeborg von Zadow wieder eine Uraufführung an Marcelo Diaz und damit den Schnawwl vergeben.

(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Helene Schmitt, David Benito Garcia, Sebastian Brummer, Franziska Nyblom, Stefan Solf

Regie: Marcelo Diaz, Musik: Markus Reyhani, Bühne: Christian Turm, Kostüm: Eva Roos


Faust (J.W. Goethe)


Heinrich Faust ist seines Lebens überdrüssig. Wissen und Gelehrsamkeit machten ihn nicht glücklich. Da kommt Mephisto und bietet eine Wette an: Wenn Faust zu einem Augenblick sagt „Verweile doch, du bist so schön“ hat Mephisto gesiegt. In diesem Sinne bereitet er Faust nun den ultimativen Erlebnisrausch: Reisen, Drogen und Frauen. In der Eventkultur wird alles möglich, selbst die wahre Liebe, nur der Moment darf nicht genossen werden. Dass die Wette der Männer dem jungen Gretchen zum Verhängnis wird, hat Johann Wolfgang Goethe zum bedeutendsten deutschen Schauspiel verdichtet.

 

Der Regisseur Jan Friedrich erarbeitet mit Uwe Topmann als Heinrich Faust, Helene Schmitt als Gretchen und drei Mephisto-Darstellern eine bildreiche Bühnenfassung. Der „Augenmensch“ Goethe hat uns ein Meisterwerk der Sprachbilder hinterlassen, die mit Schauspiel, Masken- und Videokunst im Schnawwl lebendig werden. Eine Live-Kamera in der Hand der Darsteller nimmt die Zuschauer mit in das Bühnenbild von Alexandre Corazzola, und das reale Spiel wird Teil der Projektionen. Die Realitäten, die Darstellungen und die Dimensionen verschieben sich immer wieder neu zum teuflischen Spiel, zur hitzigen Wette der überirdischen Gewalten um eine einzelne Menschenseele.

 (Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Uwe Topmann, Helene Schmitt, Simone Oswald, Cedric Pintarelli, Sebastian Brummer

Regie: Jan Friedrich, Musik: Davidson Jocanello, Ausstattung: Alexandre Corazzola


Babbilonia  (UA / Jagoda Marinic)


Unter einem Dach leben Nana, Nik und Punchy. Ihre Dreiecksfreundschaft ist nicht immer einfach, aber sie verstehen sich gut, da oben auf ihrem Dach. Unten im Haus wird es schon komplizierter, weil die Erwachsenen sich gar nicht verstehen. Nanas Eltern sprechen nur Französisch und Philippinisch, Punchys Opa kann nur Italienisch und sehr laut Musik machen, Niks Vater redet gar nicht und hat auch keine Zeit für komplizierte Kommunikation. Zeit und Popcorn für alle hat dafür die Odenwäldlerische Ilse in ihrem kleinen Kino. Diese bunte Hausgemeinschaft versucht schwungvoll, ideenreich und hartnäckig einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Aber alle Bedürfnisse der Bewohner unter einen Hut, also unter ein Dach, zu bringen, ist schwieriger als gedacht. Immer wieder müssen die Kinder übersetzen und vermitteln, und doch gerät der rechte Ton im Haus schnell in Schieflage.
 Unser mehrsprachiges Ensemble mit vielfältigen Migrationserfahrungen entwickelt mit der Autorin Jagoda Marinić und dem Mannheimer Regisseur Daniel Pfluger die Uraufführung  Babbilonia. Vorangegangen ist ein Jahr  theaterpädagogische Forschungsarbeit im Rahmen des ProjektsMehrsprache.  Mit sechs mehrsprachigen Kindergruppen aus Mannheim wurde theaterpädagogisch gearbeitet. Diese Erfahrungen verdichtet das Ensemble nun zu einem humorvollen, skurrilen Porträt einer Hausgemeinschaft wie sie in Mannheim viele zu finden sind.

Regisseur Daniel Pfluger ist in Mannheim groß geworden und der Stadt und seinem Theater sehr verbunden. Zuletzt hat er am Jungen NTM die beiden Uraufführungen des Autors Ad de Bont Tahrir Tellund Mozart in Moskau mit großem Erfolg realisiert.

(Text und Bild: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Sonja Dengler, Simone Oswald, Helene Schmitt, David Benito Garcia, Peter Hinz, Uwe Topmann, Sebastian Brummer

Regie: Daniel Pfluger, Bühne: Flurin Borg Madsen, Kostüm: Janine Werthmann, Musik: Peter Hinz

 


Du Hitler (Kristo Šagor)


Adolf Hitler war 13 Jahre alt als sein Vater und 18 Jahre alt als seine Mutter starb. Kann eine Pubertät zwischen diesen beiden menschlichen Verlusten etwas von dem erklären, was wir mit der berühmtberüchtigtsten Figur der Zeitgeschichte verbinden? Vier Personen begeben sich auf die Suche nach dem Menschen Adolf Hitler.

Frank Hüggel ist ein frustrierter Lehrer. Mario Gastler ein fernsehglotzender Student, der Künstler sein will. Jessica Stahl ein Mädchen, das auf ihren kleinen Bruder aufpassen soll. Johannes Bender einer, der nachts einsam über Landstraßen fährt. Alle haben sie etwas gemeinsam: sie sind allein, einsam, frustriert, perspektivlos und hegen gewalttätige bis faschistoide Fantasien. Wie reagieren Menschen, die zwischen widersprüchlichen Empfindungen und unvereinbaren Zielen hin- und hergerissen sind? Wie gehen sie mit Ambivalenzen um, wie wird auf empfundene Ohnmacht reagiert? Woher kommt der Wunsch nach Macht und sie auszuüben?

Im Streitgespräch zwischen vier Spielern prallt das Faktische und das Unfassbare, das Banale und das Monströse mit Humor aufeinander. Der rasante Theatertext hat alltäglichen Faschismus immer klar im Visier ohne seine Figuren zu verurteilen.

Autor und Regisseur Kristo Šagor, geb. 1976, übernimmt selbst die deutsche Erstaufführung seines Stückes Du Hitler in Mannheim. Geschrieben hat er es 2011 als Auftragsarbeit für das Landestheater Linz, der Stadt von Adolf Hitlers Jugend. 2007 war der Schnawwl mit Kristo Šagors Inszenierung FSK 16 zum Theatertreffen Augenblick Mal nach Berlin eingeladen, 2008 erhielt er den FAUST für die beste Regie für junges Publikum. Am Schnawwl inszenierte er zuletzt Nichts. Was im Leben wichtig ist.

(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: David Benito Garcia, Helene Schmitt, Uwe Topmann, Sebastian Brummer, Regie: Kristo Šagor, Musik: Sebastian Katzer, Bühne: Iris Kraft, Kostüme: Eva Roos


Der Schattenjunge (Finegan Kruckemeyer)


Adam und Atticus sind Zwillinge, die unterschiedlicher kaum sein können. Adam fährt BMX-Rad, baut Schlachtschiffe und ist beliebt. Atticus fährt mit Körbchen am Fahrrad, baut historische Mauern und ist beliebt – bei den Lehrern. An seinem 12. Geburtstag beschließt Atticus, dass Schluss sein muss mit Hänseleien auf dem Schulhof und er genau so cool sein wird wie sein Bruder. Mutig kommt er mit neuem Outfit und Auftritt in die Schule, - jeden Tag wieder. Seine Auftritte als Adam, Superstar und Mobber münden zur Freude der Mitschüler in kleinen Katastrophen und stellen die Geschwisterliebe auf eine harte Probe. Nicht ganz ohne die Hilfe seines Bruders schafft Atticus es schließlich, sich selbst anzunehmen – bevor auch seine Mitschüler ihn respektieren können.

(Text und Bild: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Sebastian Brummer und David Benito Garcia

Regie: Andrea Gronemeyer, Musik: Till Rölle, Ausstattung: Eva Roos


Mozart in Moskau (UA / Ad De Bont)


Wolfgang Amadeus Mozart fragt sich, warum er der ist, der er ist – ein berühmter Komponist. Wäre es nicht spannender, ein wilder Kosake zu sein? Während er in Begegnungen mit seinen schon verstorbenen Geschwistern dazu ermutigt wird, seine Träume zu verfolgen, lassen ihn seine vielen Aufgaben, sein Diener, der nur andere Mädchen im Kopf hat, und seine Unentschiedenheit zwischen der feurigen Aloisia und der beständigen Constanze verzweifeln. Doch als die Großherzogin Poegatsjow kommt, um ihn an den Hof der Zarin von Russland zu holen, sieht er seine Chance gekommen: Endlich kann er seine Träume wahr werden lassen, sich für eine Freundin entscheiden und die ersehnte Stelle als Hofkomponist bekommen. Dafür schreibt er schnell ein neues Stück: Eine wilde Kosakenoper! Mozart in Moskau ist ein musikalisches Roadmovie für Sängerinnen, Sänger, einen Schauspieler, eine Puppenspielerin und ein Instrumentalensemble. Bekannte Arien aus Mozarts Opern verweben sich in neuen Arrangements mit dem Text des Autors Ad de Bont, der erstmals für die Junge Oper Mannheim schreibt. Für den Höhepunkt hat Kurt Schwertsik, bekannt für seine humorvollen Kompositionen, eine neue Minioper komponiert.

(Text: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Astrid Kessler/Constanze Kirsch, Ludovica Bello, Andreas Beinhauer/Nikola Diskic, Christian Sturm, Birte Hebold, Regie: Daniel Pfluger, Musikalische Leitung: Lorenzo Di Toro, Bühne: Tessa Veronika Janus, Kostüme: Janine Werthmann