Sebastian Brummer - Aktuell


Nathans Kinder (Ulrich Hub)


Ulrich Hubs Bearbeitung von Gotthold Ephraim Lessings Klassiker Nathan der Weise wurde 2010 mit dem Mülheimer KinderStückePreis ausgezeichnet. Wie im Original beginnt der Zusammenstoß der drei großen monotheistischen Religionen in Jerusalem mit der Begnadigung des Kreuzritters Kurt durch den Sultan und Rechas Rettung aus dem brennenden Haus durch eben diesen. Ulrich Hub konzentriert den Konflikt auf das junge Paar Recha und Kurt und die drei gleichwertigen Vertreter der Religionen Nathan, Sultan und Bischof. Recha wird zur selbstbewussten, jungen Frau, die geschickt und klug zwischen ihrem Vater, ihrem angebeteten Kurt und den Grenzen der Religionen vermittelt, um ein tolerantes Miteinander zu erreichen. Auch die Aussage der Ringparabel weiß Recha für ihre Ziele zu nutzen, so dass Lessings Komödienschluss der direkten Verwandtschaft von Kurt und Recha mit dem Sultan als fröhliche Utopie gefeiert werden kann.

(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Helene Schmitt, David Benito Garcia, Sebastian Brummer, Uwe Topmann, Cedric Pintarelli

Regie: Theo Fransz, Musik: Markus Reyhani, Bühne/Kostüm: Mareile Krettek


Faust (J.W. Goethe)


Heinrich Faust ist seines Lebens überdrüssig. Wissen und Gelehrsamkeit machten ihn nicht glücklich. Da kommt Mephisto und bietet eine Wette an: Wenn Faust zu einem Augenblick sagt „Verweile doch, du bist so schön“ hat Mephisto gesiegt. In diesem Sinne bereitet er Faust nun den ultimativen Erlebnisrausch: Reisen, Drogen und Frauen. In der Eventkultur wird alles möglich, selbst die wahre Liebe, nur der Moment darf nicht genossen werden. Dass die Wette der Männer dem jungen Gretchen zum Verhängnis wird, hat Johann Wolfgang Goethe zum bedeutendsten deutschen Schauspiel verdichtet.

 

Der Regisseur Jan Friedrich erarbeitet mit Uwe Topmann als Heinrich Faust, Helene Schmitt als Gretchen und drei Mephisto-Darstellern eine bildreiche Bühnenfassung. Der „Augenmensch“ Goethe hat uns ein Meisterwerk der Sprachbilder hinterlassen, die mit Schauspiel, Masken- und Videokunst im Schnawwl lebendig werden. Eine Live-Kamera in der Hand der Darsteller nimmt die Zuschauer mit in das Bühnenbild von Alexandre Corazzola, und das reale Spiel wird Teil der Projektionen. Die Realitäten, die Darstellungen und die Dimensionen verschieben sich immer wieder neu zum teuflischen Spiel, zur hitzigen Wette der überirdischen Gewalten um eine einzelne Menschenseele.

 (Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Uwe Topmann, Helene Schmitt, Simone Oswald, Cedric Pintarelli, Sebastian Brummer

Regie: Jan Friedrich, Musik: Davidson Jocanello, Ausstattung: Alexandre Corazzola


Babbilonia  (UA / Jagoda Marinic)


Unter einem Dach leben Nana, Nik und Punchy. Ihre Dreiecksfreundschaft ist nicht immer einfach, aber sie verstehen sich gut, da oben auf ihrem Dach. Unten im Haus wird es schon komplizierter, weil die Erwachsenen sich gar nicht verstehen. Nanas Eltern sprechen nur Französisch und Philippinisch, Punchys Opa kann nur Italienisch und sehr laut Musik machen, Niks Vater redet gar nicht und hat auch keine Zeit für komplizierte Kommunikation. Zeit und Popcorn für alle hat dafür die Odenwäldlerische Ilse in ihrem kleinen Kino. Diese bunte Hausgemeinschaft versucht schwungvoll, ideenreich und hartnäckig einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Aber alle Bedürfnisse der Bewohner unter einen Hut, also unter ein Dach, zu bringen, ist schwieriger als gedacht. Immer wieder müssen die Kinder übersetzen und vermitteln, und doch gerät der rechte Ton im Haus schnell in Schieflage.
 Unser mehrsprachiges Ensemble mit vielfältigen Migrationserfahrungen entwickelt mit der Autorin Jagoda Marinić und dem Mannheimer Regisseur Daniel Pfluger die Uraufführung  Babbilonia. Vorangegangen ist ein Jahr  theaterpädagogische Forschungsarbeit im Rahmen des ProjektsMehrsprache.  Mit sechs mehrsprachigen Kindergruppen aus Mannheim wurde theaterpädagogisch gearbeitet. Diese Erfahrungen verdichtet das Ensemble nun zu einem humorvollen, skurrilen Porträt einer Hausgemeinschaft wie sie in Mannheim viele zu finden sind.

Regisseur Daniel Pfluger ist in Mannheim groß geworden und der Stadt und seinem Theater sehr verbunden. Zuletzt hat er am Jungen NTM die beiden Uraufführungen des Autors Ad de Bont Tahrir Tellund Mozart in Moskau mit großem Erfolg realisiert.

(Text und Bild: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Sonja Dengler, Simone Oswald, Helene Schmitt, David Benito Garcia, Peter Hinz, Uwe Topmann, Sebastian Brummer

Regie: Daniel Pfluger, Bühne: Flurin Borg Madsen, Kostüm: Janine Werthmann, Musik: Peter Hinz

 


Du Hitler (Kristo Šagor)


Adolf Hitler war 13 Jahre alt als sein Vater und 18 Jahre alt als seine Mutter starb. Kann eine Pubertät zwischen diesen beiden menschlichen Verlusten etwas von dem erklären, was wir mit der berühmtberüchtigtsten Figur der Zeitgeschichte verbinden? Vier Personen begeben sich auf die Suche nach dem Menschen Adolf Hitler.

Frank Hüggel ist ein frustrierter Lehrer. Mario Gastler ein fernsehglotzender Student, der Künstler sein will. Jessica Stahl ein Mädchen, das auf ihren kleinen Bruder aufpassen soll. Johannes Bender einer, der nachts einsam über Landstraßen fährt. Alle haben sie etwas gemeinsam: sie sind allein, einsam, frustriert, perspektivlos und hegen gewalttätige bis faschistoide Fantasien. Wie reagieren Menschen, die zwischen widersprüchlichen Empfindungen und unvereinbaren Zielen hin- und hergerissen sind? Wie gehen sie mit Ambivalenzen um, wie wird auf empfundene Ohnmacht reagiert? Woher kommt der Wunsch nach Macht und sie auszuüben?

Im Streitgespräch zwischen vier Spielern prallt das Faktische und das Unfassbare, das Banale und das Monströse mit Humor aufeinander. Der rasante Theatertext hat alltäglichen Faschismus immer klar im Visier ohne seine Figuren zu verurteilen.

Autor und Regisseur Kristo Šagor, geb. 1976, übernimmt selbst die deutsche Erstaufführung seines Stückes Du Hitler in Mannheim. Geschrieben hat er es 2011 als Auftragsarbeit für das Landestheater Linz, der Stadt von Adolf Hitlers Jugend. 2007 war der Schnawwl mit Kristo Šagors Inszenierung FSK 16 zum Theatertreffen Augenblick Mal nach Berlin eingeladen, 2008 erhielt er den FAUST für die beste Regie für junges Publikum. Am Schnawwl inszenierte er zuletzt Nichts. Was im Leben wichtig ist.

(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: David Benito Garcia, Helene Schmitt, Uwe Topmann, Sebastian Brummer, Regie: Kristo Šagor, Musik: Sebastian Katzer, Bühne: Iris Kraft, Kostüme: Eva Roos


Der Schattenjunge (Finegan Kruckemeyer)


Adam und Atticus sind Zwillinge, die unterschiedlicher kaum sein können. Adam fährt BMX-Rad, baut Schlachtschiffe und ist beliebt. Atticus fährt mit Körbchen am Fahrrad, baut historische Mauern und ist beliebt – bei den Lehrern. An seinem 12. Geburtstag beschließt Atticus, dass Schluss sein muss mit Hänseleien auf dem Schulhof und er genau so cool sein wird wie sein Bruder. Mutig kommt er mit neuem Outfit und Auftritt in die Schule, - jeden Tag wieder. Seine Auftritte als Adam, Superstar und Mobber münden zur Freude der Mitschüler in kleinen Katastrophen und stellen die Geschwisterliebe auf eine harte Probe. Nicht ganz ohne die Hilfe seines Bruders schafft Atticus es schließlich, sich selbst anzunehmen – bevor auch seine Mitschüler ihn respektieren können.

(Text und Bild: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Sebastian Brummer und David Benito Garcia

Regie: Andrea Gronemeyer, Musik: Till Rölle, Ausstattung: Eva Roos


Rico, Oskar und die Tieferschatten (A. Steinhöfel)


Der tiefbegabte Rico lebt mit seiner Mutter in einem bunt gefüllten Mietshaus in der Dieffenbachstraße. Mit dem neuen Hausbewohner Herrn Westbühl freundet er sich leicht an. Komplizierter gestaltet sich die Freundschaft mit dem Helmträger Oskar, der als Hochbegabter mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat als er. Gemeinsam sind sie dem Aldi-Kidnapper von Berlin auf der Spur, bis plötzlich Oskar wie vom Erdboden verschluckt ist. Und was hat das alles mit den Tieferschatten zu tun? Rico muss verdammt schnell und genau denken, und das fällt ihm gar nicht leicht.

 Autor Andreas Steinhöfel hat mit der Trilogie von Rico und Oskar alle wichtigen Preise im deutschsprachigen Literaturbetrieb gewonnen. 2013 erhielt er für sein kinderliterarisches Gesamtwerk den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises. Viel wichtiger ist aber, dass er seine Leserschaft mit genauer Figurenzeichnung, sprachlicher Finesse und spannenden Geschichten humorvoll zu fesseln weiß.

(Text und Foto: Nationaltheater Mannheim)

Mit: Baris Tangobay, Sebastian Brummer, Simone Oswald, David Benito Garcia, Almut Henkel, Stefan Reck, Jaques Malan

Regie: Rüdiger Pape, Musik: Sebastian Herzfeld, Ausstattung: Dietmar Teßmann